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Collegicum Musicologicum - Gastvortrag, Anne Zeitz (Universität Rennes 2) & Bastien Gallet (Éditions MF)
Listening, Waiting, Anticipating

15.10.2026 18:00 Uhr - 19:30 Uhr
Veranstaltungsformat:
Präsenzveranstaltung 
Veranstaltungsort:
  • Institut für Musikwissenschaft, Am Kupfergraben 5, R. 501
Veranstalter:
  • Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft
Do.
15. Oktober
2026

Anne Zeitz

Anne Zeitz beschäftigt sich mit Formen der auditiven Aufmerksamkeit, die beim Lauschen auf Wetterphänomene und insbesondere bei Ihrer Vorhersage, Vorwegnahme oder Vorahnung zum Tragen kommen. Sie verbindet Überlegungen aus den Bereichen Sound Studies, Musikwissenschaft, Medientheorie und Philosophie mit literarischen und filmischen Darstellungen des Hörens des aktuellen und des zukünftigen Wetters. In ihrem 2026 erschienenen Buch L’Ecoute s’il Pleut (MF Verlag),  begegnen sich Forscher des 19. Jahrhunderts – insbesondere Luke Howard, Adolphe Quetelet und Robert Fitzroy – und die Protagonisten der Romane Walden (1854) von Henry David Thoreau – einer autobiografischen Erzählung – und Sturz in die Sonne (1922) von Charles Ferdinand Ramuz sowie Figuren aus den Filmen Take Shelter (2011) von Jeff Nichols, Memoria (2021) von Apitchatpong Weerasethakul und Minority Report (2002) von Steven Spielberg. Mit deren Wahrnehmungen von Wetterphänomenen in Zusammenhang gebracht werden sowohl Entwicklungen der Meteorologie und Klimatologie, als auch ältere Traditionen des hellseherischen und mantischen Hörens. Diese Reflexion über die auditive Antizipation geht einher mit der Analyse sinnlicher Erfahrungen, die auf das noch Nicht-Geschehene ausgerichtet sind, und im weiteren Sinne Formen des Hörens der Zukunft.

Bastien Gallet

In L’Ecoute s’il Pleut beschreibt Anne Zeitz verschiedene mögliche Formen dessen, was man als vorausschauendes Zuhören bezeichnen könnte (das Zuhören auf das, was noch nicht stattgefunden hat, vom ahnungsvollen Gewitter bis zum Weltuntergang). Anhand der Untersuchung einiger Werke der zeitgenössischen komponierten Musik möchten wir aufzeigen, inwiefern solche Formen des Zuhörens einen besonders relevanten Leitfaden darstellen, um über die Form dieser Musik und die Art der Beziehung nachzudenken, die sie zu ihren Zuhörer*innen aufzubauen versucht. Während die vollständig serielle Musik der 1950er Jahre das das vorausschauende Hören bekanntlich erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht hat und die Zuhörer*innen dazu zwang, eine fast reine Gegenwart zu erleben, so kam es in den 1970er und 1980er Jahren zur Rückkehr von Formen der auditiven Antizipation (wir denken dabei insbesondere an die spektrale Musik), allerdings in einem neuen Sinne, der sich nicht mit den Hörweisen identifizieren lässt, die in der postromantischen und modernen Musik vorherrschten. Wie hört man das, was kommt, ohne es vorwegnehmen zu können? Die Zeit hat sich geöffnet (und die Zukunft unbestimmt gemacht), die zeitgenössische Musik hat dieses Prinzip nicht in Frage gestellt. Doch sie streut diese Zeit mit mehrdeutigen Zeichen, die der Interpretation des Zuhörers oder der Zuhörerin überlassen bleiben: Er oder sie wird zum Hermeneutiker oder Orakel, und sein oder ihr Hören wird zu einer ästhetischen und semiotischen Erfahrung. In Ermangelung einer Struktur muss man lernen, anders zuzuhören.

Anne Zeitz ist Professorin für Bildende Kunst an der Universität Rennes 2. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit der auditiven Aufmerksamkeit, dem Unhörbaren, der Polyphonie sowie den Formen des Zuhörens, die durch bestimmte zeitgenössische künstlerische Praktiken ins Spiel gebracht werden. Sie leitete die Forschungsprojekte „Sound Unheard“ (2019/2020) und „Polyphone“ (2021–2023), war Herausgeberin der Sammelbände „Sound Unheard“ (Kunsttexte, 2020) und „Polyphone“ (2021) und Mitorganisatorin des Seminars „Exhibiting Polyphony“ (DFK Paris, 2021–2023). Sie war Kuratorin verschiedener Kulturprogramme und Ausstellungen, unter anderem für das Musée des Beaux-Arts in Rennes (2019), die Gaîté Lyrique (2019), das Goethe-Institut Paris (2019), die Kunstsammlung Gera (2021) und das Musée d’art et d’histoire Paul Éluard in Saint-Denis (2022). Ihr Buch L’Ecoute s’il Pleut erschien 2026 im Verlag MF.

Der in Paris geborene Bastien Gallet ist Autor (in unterschiedlichen Bereichen) und Verleger (beim Verlag MF). Er war Produzent bei France Culture, Chefredakteur der Zeitschrift „Musica Falsa“, Leiter des Festivals „Archipel“ in Genf und Stipendiat an der Académie de France in Rom (Villa Medici). Er lehrte Philosophie und Kunsttheorie an der École nationale des beaux-arts in Lyon und an der Hochschule für Kunst am Rhein. Er ist Autor von Romanen, Essays über Musik sowie zahlreicher Texte und Artikel zu den Themen Musik, bildende und klangliche Kunst, Literatur, Theater und Philosophie. Er verfasst Opernlibretti und Drehbücher, ist Kritiker für die Zeitschrift „AOC“ und widmet sich gelegentlich der Performance.

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung

Veranstaltungsort:

Institut für Musikwissenschaft, Am Kupfergraben 5, R. 501
Raum 501
Am Kupfergraben 5
10117 Berlin
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Veranstalter:

Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft

Kontaktperson:

Penelope Braune
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft
030 2093-2062
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